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Das Kleine Stadtfleischerhaus

Das "Haus" der Boiotro befindet sich an der Ecke Steiningergasse (Hausnummer 2) und Fritz-Schäffer-Promenade, direkt an der Donau in der Nähe des Rathausplatzes. Wir sind zwar eine junge Verbindung (und stolz darauf) aber unser Verbindungshaus dürfte eines der ältesten in Deutschland sein.

 

Da sich im 10. Jahrhundert zwischen Dom und Donau ein Judenghetto befand (die Steiningergasse hieß damals Judengasse) kann davon ausgegangen werden, dass sich auf dem heutigen Boiotro-Grundstück jüdische Wohn- oder Geschäftshäuser befanden. Aufgrund der Zerstörung des Ghettos während der Kreuzzüge kann diese Zeit jedoch nicht mehr rekonstruiert werden.

 

Nach der Umsiedlung der Juden in die Ilzstadt wurde das Gebiet neu bebaut. Die ältesten Informationen über das Gebäude in dem die K.St.V. Boiotro gegenwärtig residiert stammen aber erst aus dem 12. Jahrhundert. In dieser Zeit wurden auf dem Grundstück zwei gotische Giebelhäuser gebaut, deren Verwendung heute allerdings nicht mehr bekannt ist.

 

1554 wurden diese Häuser vom damaligen Fürstbischof Wolfgang I. erworben und durch Umbauten zu einem verbunden. In diesem Gebäude wurden Gewerberäume für die in Gilde der Landmetzger (der Schlachter und Fleischer aus den Dörfern in der Umgebung) eingerichtet. Der Bischof bezweckte damit, das Monopol der Stadtmetzgergilde zu brechen, die bis dahin die Lebensmittelpreise der Stadt kontrolliert hatten. Aus dieser Zeit stammt der Name des Gebäudes.

 

In den großen Stadtbränden von 1662 und 1680 brannte das Gebäude zweimal ab, dazu kamen wiederholte Flutkatastrophen, so dass es langsam verfiel.

In der Folgezeit wurde es vor allem als Lagerraum genutzt, in den großen Verkaufssälen im hinteren Erdgeschoss wurden Zwischenmauern eingezogen. In den oberen Stockwerken wurden Wohnungen eingerichtet, zeitweise dienten sie als Waisenhaus.

 

1977 wurde das Haus von der 1949 gegründeten Wohnungsaufbau Passau GmbH (WAP) gekauft und im Rahmen des „Sanierungsplanes Höllgasse“ saniert, die Zwischenmauern wurden wieder entfernt. Den zweiten Stock bezog das Architekturbüro Wörlen mit dem von Herrn Wörlen geleiteten Passauer Kunstverein, im ersten Stock wurde der Verwaltungssitz der WAP eingerichtet, das Erdgeschoss stand zunächst leer.

 

1984 konnte die neu gegründete K.St.V. Boiotro in die Räume im Erdgeschoss einziehen. Als bisher letzte Baumassnahme wurde in einem der Räume eine steinerne Theke gemauert.

Die Säle werden heute von der Boiotro für größere Feierlichkeiten genutzt, in der restlichen Zeit befinden sich dort Ausstellungen der WAP zur Altstadtsanierung und des Kunstvereins (vor allem moderne Kunst). Durch diese gemeinsame Nutzung dürfte auf dem Kleinen Stadtfleischerhaus eine Mischung von kulturellem und studentischem Leben bestehen wie auf nur wenigen anderen Verbindungshäusern.

 

Das obere Bild Zeigt das Haus vom Donauufer aus, der Durchgang links führt in die Steiningergasse, die auf dem zweiten Bild zu sehen ist.

Inn Donau Ilz www.passau.de