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Römerkastell Boiotro

Im heutigen Passauer Stadtgebiet befanden sich zur Römerzeit zwei Kastelle (befestigte Kasernen): Batavis im Bereich des Doms, benannt nach dem Volk der Bataver (dem die dort stationierten Soldaten angehörten) als östlichste Festung der Provinz Raetien und Boiodurum gegenüber der Ortsspitze in der Innstadt, benannt nach dem in der Region lebenden Volk der Boier als westlichste Festung der Provinz Noricum. Münzfunde lassen darauf schließen, dass Batavis im ersten, Boiodurum erst in den 60er Jahren des dritten Jahrhunderts errichtet wurde.

 

Während Batavis (begünstigt durch den Handel auf der Donau) zum Siedlungskern einer Ortschaft wurde, die später als "Batava", dann als "Passawa" und heute als Passau bekannt wurde, verlief die Geschichte des anderen Kastells weitaus wechselhafter: Durch einen Germaneneinfall kurz nach seiner Gründung zerstört, wurde es tausend Meter weiter westlich mit stärkeren Befestigungen unter dem Namen Boiotro wieder aufgebaut. Wegen der strategischen Bedeutung der Passauer Region fand der Neubau unter den Gesichtpunkten der damals modernsten Festungsbautechnik statt - Befestigungen dieser Art befanden sich sonst nur an der stärker gefährdeten Ostgrenze des Reiches. 

 

Diesen Befestigungen ist es vermutlich auch zu verdanken, dass die romanische Bevölkerung sich auch nach dem Ende der Römerherrschaft an der Donau kurz nach 400 n. Chr. in Boiotro behaupten konnte. Mitte des 5. Jahrhunderts ist in der Lebensgeschichte des heiligen Severin wieder von diesem Ort die Rede: "Basilica extra muros oppidi Batavini in loco nomine Boiotro trans Aenum fluvium constitutae, ubi cellulam paucis monachis ipse construxerat martyrum reliquiae quaerebantur." Diese Aufzeichnung beweist neben der Existenz Boiotros auch, dass sich seine Bewohner zum Christentum bekehrt hatten. Aus der selben Zeit stammen die Spuren eines Brandes, der einen Teil des Kastells zerstört hat.

 

Trotzdem scheint der Ort Boiotro weiterbestanden zu haben, da man durch das ganze Mittelalter hindurch Erwähnungen von "Boytro", dann "Boytra", später "Pevtra" und zuletzt "Beuder" findet, die heute noch in "Beiderbach", "Peichtergasse" und "Peichterturm" fortleben. Allerdings wurde der größte Teil dieser Siedlung im Jahr 1143 n. Chr. aufgegeben und zum südlichen Brückenkopf der neu gebauten Innbrücke verlegt. In den nun am Stadtrand gelegenen Ruinen wurden Gerbereien und Werkstätten eingerichtet, mit der Zeit wurden sie überbaut.

 

1974 wurde die Festung bei den Bauarbeiten für einen geplanten Kindergarten wiederentdeckt. Heute ist sie zum Teil wiederaufgebaut und bildet zusammen mit einem mittelalterlichen Giebelhaus ein Museum. Aufgrund umfangreicher Ausgrabungen gilt Boiotro heute als einer der am besten erschlossenen römischen Orte des Donauraumes.

Inn Donau Ilz www.passau.de