1. K.St.V. Boiotro - was ist das?
Diese Frage (und auch viele andere) werden wir an dieser Stelle beantworten. Wir hoffen, daß wir auf diese Weise den einen oder anderen Passauer Studenten davon überzeugen können auf unserem Haus vorbeizuschauen. Wer weiß, vielleicht sind wir der Sinn der Deinem Leben gefehlt hat? Bevor es losgeht wollen wir aber eines klarstellen, was uns wichtig ist: Wir sind keine Burschenschaft, sondern eine Katholische Studentenverbindung (daher K.St.V.) - aber keine Angst, auch als Protestant kannst Du Mitglied werden. Also, viel Spaß beim Lesen.
2. Wo kommen wir her?
2.1 Der Name Boiotro
Boiotro (ursprünglich Boiodurum) ist der Name einer alten römischen Zollstation in der heutigen Passauer Innstadt (nicht zu verwechseln mit der Innenstadt) und leitet sich von dem Volksstamm der Boier ab, der früher in dieser Gegend lebte. Unsere Verbindung hat diesen Namen angenommen, um ein Zeichen der Verbundenheit zur Stadt Passau zu setzen. Aus ähnlichen Gründen wurden Schwarz, Blau und Grün zu den Verbindungsfarben gemacht. Sie entsprechen den drei Flüssen Ilz, Donau und Inn, die an der "Ortsspitze" am Ostende der Passauer Altstadt zusammenfließen. Die Wahl von Namen und Farben mit regionalem Bezug soll die Boiotro zu einem "Passauer Markenartikel" machen, der vielleicht sogar irgendwann überregionale Bekanntheit erlangen kann.
2.2 Der Kartellverband
Die K.St.V. Boiotro ist Mitglied in zwei Dachverbänden, dem deutschen Kartellverband (KV) und dem Europäischen Kartellverband (EKV). Wir sind 1981 von Mitgliedern des KV gegründet worden, die von der Universität Regensburg nach Passau gewechselt sind. Weitere Informationen dazu und zum KV befinden sich im Bereich Geschichte.
3. Was unterscheidet uns von anderen Hochschulgruppen?
3.1 Unsere Prinzipien
Die Prinzipien (Grundsätze) des KV (und damit der Boiotro) sind Religion, Wissenschaft und Freundschaft. Natürlich haben sich die Vorstellungen die man mit diesen Begriffen verbindet in den ca. 150 Jahren seit ihrer Einführung verändert, trotzdem versuchen wir sie in unserem Verbindungsleben so gut wie möglich zu verwirklichen, z.B. in Form von sozialem Engagement, wissenschaftlichen Vorträgen (die Palette der Dozenten der letzten Jahre reicht von Professoren der Theologie und der Literatur über den israelischen Botschafter bis zur Frauenbeauftragten der Universität), gemeinsamen Fahrten z.B. nach Prag oder Budapest, Parties, Besinnungswochenenden und vielem mehr. Dazu kommt das Lebensbundprinzip. Während die Mitgliedschaft in Passauer Sport- und Gesangsvereinen, politischen und sonstigen Hochschulgruppen zusammen mit der Studienzeit endet, bieten wir unseren Mitgliedern die Möglichkeit auch darüber hinaus Boiotronen zu bleiben und geben ihnen bei unseren zwei großen Feierlichkeiten, dem Gründungs- und Stiftungsfest (den Jahrestagen unserer Gründung und unserer Aufnahme in den Kartellverband) die Möglichkeit sowohl ihre Studienfreunde wiederzusehen als auch ihre Nachfolger kennenzulernen.
3.2 Die Fuxenzeit
Da wir glauben, daß man uns nicht einfach aus einer Laune heraus ein- und bei nächster Gelegenheit wieder austreten sollte und da die meisten Studenten sich nicht von Heute auf Morgen für etwas verpflichten möchten, daß sie noch nicht richtig kennen, haben unsere Mitglieder im ersten Semester den Status eines "Fuxen". Das bedeutet konkret, daß diese Zeit dem gegenseitigen Kennenlernen dient. Ein Fux braucht keine Mitgliedsbeiträge zu zahlen, ist aber auch nicht berechtigt bei Vorstandswahlen oder Satzungsänderungen mit abzustimmen. Will er nach der Fuxenzeit bei uns bleiben, wird er zum Vollmitglied mit allen Rechten und Pflichten.
3.3 Unserer Haus
Als Verbindung gibt es bei uns noch eine Reihe weiterer Besonderheiten, auf die wir kurz eingehen wollen. Zuerst wäre da unser "Haus" zu nennen. Leider ist es kein ganzes Haus, sondern nur das Erdgeschoß des Gebäudes Steiningergasse 2, in der Nähe des alten Rathauses. Hier findet sich alles mögliche - eine Couchgarnitur, eine Theke mit Bar und Zapfanlage, ein Tischfußballgerät, ein altes Klavier, eine Musikanlage, ein Raum für unsere Vorträge, Ausstellungen über die Passauer Altstadt und noch vieles mehr. Hier treffen wir uns auch jeden Mittwoch Abend und freuen uns über jeden, der uns besuchen kommt.
3.4 Das "Old boys network"
Für alle Nichtsoziologen sei hier kurz erklärt: Old boys network steht für die Beziehungen zwischen uns, unseren "Alten Herren" (ehemaligen Aktiven) und dem restlichen KV. Um es gleich deutlich zu sagen: Im 21. Jahrhundert würde jeder Personalchef, der die Stellen nicht nach Qualifikation sondern aus Sympathie vergibt, sofort gefeuert werden. Wer sich nur aus solchen Hoffnungen heraus für uns interessiert, braucht hier nicht mehr weiterzulesen. Was wir bieten können, ist keine Karrieregarantie, sondern lediglich eine Beihilfe, aus der jeder machen kann was er kann oder will. Zum Beispiel bieten wir durch die alle Sechs Monate erfolgende Neuwahl unseres Vorstandes unseren Mitgliedern die Möglichkeit, in den verschiedensten Bereichen Erfahrungen zu sammeln und "soft skills" zu erwerben. So muß unser Senior (Vorsitzender) lernen, Veranstaltungen zu organisieren und Reden zu halten; der Fuxmajor (Nachwuchswart) muß in der Lage sein Überzeugungsarbeit zu leisten und auf Menschen zuzugehen um neue Mitglieder zu gewinnen; der Scriptor (Schriftführer) muß Texte wie diesen hier verfassen können und in der Lage sein, als Werbetexter und Plakatdesigner für unsere Veranstaltungen zu werben und der Quästor (Kassierer) hat die Möglichkeit herauszufinden, wie schwierig die Verwaltung von Mitgliedsbeiträgen, Spenden, Rechnungen und Bilanzen wirklich ist. Zudem stellt uns unser Dachverband eine Reihe von Angeboten, wie z.B. eine Praktikumsbörse und Seminare zu den verschiedensten Themen zur Verfügung und gibt uns durch seine anderen Mitgliedsvereine und Verbindungen die Möglichkeit, bei Studienortwechsel oder Praktikum an vielen anderen Universitätsstädten schnell und problemlos Kontakte zu knüpfen oder günstig auf den Verbindungshäusern zu wohnen.
4. Die heiklen Themen
4.1 Rechtsradikalismus
Im Bereich Geschichte sind unsere Ursprünge dargestellt, die mit politischem Extremismus in keinem Fall vereinbar sind. Unsere Aufnahmekriterien sind unabhängig von Nationalität, Hautfarbe und politischer Einstellung. Während des Dritten Reiches war der Kartellverband verboten. Bei damals 20.000 Angehörigen gab es leider auch schwarze Schafe, die bereitwillig mit der damaligen Obrigkeit kooperiert haben, wir verweisen aber ebenfalls mit Stolz auf eine Reihe von Kartellbrüdern, die für ihre Überzeugungen in den Konzentrationslagern gestorben sind und auf jene, die als überzeugte Demokraten Deutschland wiederaufgebaut haben; z.B. den ersten Bundeskanzler Konrad Adenauer. Bei der K.St.V. Boiotro können wir Verstrickungen in den Nationalsozialismus völlig ausschließen, schließlich gibt es uns erst seit 1981.
4.2 Frauen in Verbindungen
Die Rolle der Frauen im Kartellverband kann je nach Blickwinkel als völlige Gleichberechtigung oder völlige Diskriminierung gesehen werden. Ausgehend von den Umständen seiner Gründungszeit gibt es eine strikte Trennung: Frauenverbindungen für Frauen, Männerverbindungen für Männer. Wir möchten aber klarstellen, daß wir keineswegs Frauenfeindlich sind. Frauen sind auf unserem Haus jederzeit willkommen, und bei mehr als einer Veranstaltung waren wir als Männer sogar in der Minderheit. Wir können daher allen weiblichen Studenten mit gutem Gewissen sagen: Betrachtet Euch als unsere Ehrengäste.
4.3 Verbindung und Studium
Eine weitere oft geäußerte Befürchtung ist, daß durch die Mitgliedschaft bei uns zuviel Zeit verloren geht, so daß das Studium leidet. Darauf können wir nur Zwei Dinge erwidern: 1. Bei uns verliert man keine Zeit, man verbringt sie und zieht Gewinn daraus. 2. Die Überflieger sind bei uns zwar nicht dichter gestreut als anderswo, aber wir können durchaus auf Bundesbrüder verweisen, die es in kürzest möglicher Zeit zu einem akademischen Titel gebracht haben, oder die ein Summa Cum Laude vorweisen können.
5. Fazit
Wir hoffen, das diese Darstellung einen ungefähren Überblick geboten hat, wer und was wir sind; wer weiß, vielleicht sehen wir uns ja nächsten Mittwoch Abend auf unserem Haus. In diesem Sinne: Bis bald!